Früher oder später stellt sich die Frage, ob man sich eine Festbrennweite zulegt oder doch ein Zoom. So ein Zoom ist schon was feines, hat man doch die Möglichkeit durch einfaches Drehen am Zoom-Ring näher ranzugehen. Ich unterstelle den meisten Fotografen einfach mal, nie wirklich satt zu sein, wenn es um Ausrüstung geht. Daher steht man immer wieder vor den gleichen Fragen, ob es nun die fünfte Kameratasche ist oder das zehnte Objektiv.

Stellt man diese Frage im Forum, dauert es keine drei Posts und schon kommt der erste ums Eck getrabt und erklärt dir, dass er alle seine Zooms gegen Festbrennweiten getauscht hat und seitdem keine Kompromisse mehr eingeht. Zooms hätten keine Daseinberechtigung und ohne Festbrennweite würde man den Sensor seiner Kamera ohnehin nicht richtig ausnutzen. Außerdem führen Festbrennweiten direkt zu besseren Fotos, da man sich bewegen muss und nicht von seinem Standort aus einfach nur zoomt. Eine Festbrennweite zwingt einen seine Komfortzone zu verlassen. Mit anderen Worten, wer wirklich ernsthaft fotografiert, verbannt das Wort Zoom aus seinem Wortschatz. Im übrigen ist das 50mm/1.2 sein neues Immerdrauf… 😉 Davon abgesehen, dass ich unter Verlassen meiner Komfortzone nicht verstehe, einfach nur zwei Meter vor oder zurück zu laufen, sind die Argumente nicht ganz von der Hand zu weisen.

Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich meine erste Festbrennweite an meine Kamera schraubte und beim Betrachten der Bilder meine Augenbrauen nur einen Weg kannten – nach oben. Zugegeben, damals hatte ich als Referenz nur das Kit (Zoom-) Objektiv, dessen Bildqualität man durchaus als grottig bezeichnen kann. Es war noch nicht einmal von Canon, wie der Body und ich verdränge dieses Kapitel meiner Fotografiezeit sehr gerne. Mittlerweile habe ich durchaus ein paar Linsen, die ich so schnell nicht mehr hergebe und doch findet man immer wieder einen Grund, sich nach weiteren Objektiven umzuschauen. Und sei es nur aufgrund der Tatsache, dass sie existieren.

Eigentlich bin ich mittlerweile Fan von Festbrennweiten und nutze Zooms nur noch selten. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich dadurch zwinge, mich zu bewegen und dadurch bessere Fotos entstehen. Ich mag große Blenden und die bieten Zooms nicht an. Ja, Zoom-Objektive haben auch eine Offenblende, bei der einige auch schon verdammt scharf sind. Nur liegt diese bei guten Zooms meist bei 2.8, bei weniger guten ist die Blende variabel, abhängig von der Brennweite. Gegenüber einer 1.4, sind das aber zwei Blenden oder die vierfache Menge an Licht. Das ist der Preis, den man für die Flexibilität zahlen darf. Ebenso sind Gewicht und Größe eines Zooms meist höher als bei einer Festbrennweite. Kann man bei einer Festbrennweite mit wenigen Linsen, die für diese eine Brennweite optimiert sind auskommen, muss man bei einem Zoom eben einen Brennweitenbereich abdecken. Das bedeutet ein komplexeres Linsensystem und Optiken, die nur für einen Teil des Brennweitenbereichs optimale Ergebnisse liefern. Allerdings überlasse ich diese Bewertung gerne den Laborfotografen und ihren Testcharts.

Aktuell überlege ich, mir ein f2,8/70-200mm zuzulegen. Alternativ zwei Festbrennweiten. Einmal das 2,0/135mm und dazu das 2,8/200mm. Mit diesen Festbrennweiten wäre ich fast über den ganzen Bereich beginnend mit 35mm ausgerüstet. Nur warum sollte ich diese zwei Linsen kaufen? Was spricht dafür? Beim 135er hätte ich im Vergleich zum Zoom eine Blende mehr Licht. Außerdem soll es das beste Objektiv sein, das Canon gebaut hat. Beide Linsen wären für sich leichter als das 70-200er und das Ding ist an einer 5DM3 wirklich kein Leichtgewicht… Da ich die anderen Brennweiten allerdings in der Kameratasche trotzdem herum tragen muss, wäre dieser Vorteil damit hinfällig. Von der Schärfe ist das 70-200 auch nicht ohne.

Allein der Wunsch nach einer riesigen Blendenöffnung, die jegliches Licht verschlingt, reicht allerdings nicht für die Entscheidung. Fast wichtiger ist der Punkt, wofür man das Objektiv nutzen möchte. Sind das Situationen, die man selber kontrolliert, dann ist man mit einer Festbrennweite gut unterwegs. Wird der Fotograf allerdings von der Situation kontrolliert, dann muss man flexibel sein. Da sind scharfe Bilder und richtige Bildausschnitte wichtiger als ein Hintergrund der unmittelbar am Hinterkopf des Modells in der Unschärfe versinkt. Es ist nun mal so, dass keiner das tolle Bokeh bewundern wird, wenn der Bildausschnitt scheiße ist. Und rumrennen kann man nun mal auch nicht immer, um den richtigen Bildausschnitt zu erhalten. Das spricht alles für das 70-200. Allerdings hätte ich das 135mm auch gerne. Der Leser versteht langsam das wahre Dilemma… 🙂