Der Urlaub steht an. Außer von der Familie, werde ich im Urlaub wohl keine Portäts machen, dafür aber mehr Landschaftsaufnahmen. Dieses Mal möchte ich mich mehr mit Langzeitbelichtungen beschäftigen. Da wir am Meer sind, sollten Motive für Langzeitbelichtungen in ausreichender Menge verfügbar sein. Der Klassiker ist hier ja eine durch entsprechend lange Belichtung glattgebügelte Wasseroberfläche. Die Phase der Langzeitbelichtungen macht wohl jeder durch, genauso wie die HDR Phase. Nur waren meine Ergebnisse bislang niemals groß geplant, sondern Ergebnisse von Zufall und Rumprobieren. Diesen Urlaub möchte ich bewusst für solche Aufnahmen nutzen.

Entsprechend habe ich meine Gepäckliste angepasst. Neben der Kamera ist das Stativ wohl das wichtigste Utensil. Stative sind eigentlich eine Wissenschaft für sich. Man kann billige Stativ kaufen, die jedoch in Punkto Stabilität bei entsprechend schweren Kameras versagen. Oder eben Stative, die wie ein Brückenpfeiler dastehen aber auch ordentlich kosten. Ein besonders wichtiger Punkt ist der Kugelkopf. Hat man sich für ein Stativ entschieden, ist der Kugelkopf meist noch nicht dabei. So eine Vollformatkamera wiegt inkl. vernünftigem Objektiv schon mal ihre 2-3 kg und dies macht nicht jeder Kugelkopf mit. Außerdem sollte man einen Kugelkopf nicht am Limit betreiben, was konkret bedeutet, gewisse Reserven einzurechnen. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich meine Mittelformatkamera auch auf das Stativ schnallen möchte und die setzt gewichtsmässig nochmal eins drauf.

Sobald Belichtungszeiten über 30s notwendig sind, brauche ich den Bulb Modus und einen Fernauslöser. Der kostet nicht viel und hat den Vorteil, dass ich den Auslöseknopf arretieren kann. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn es draußen kalt ist und ich meine Hände solange in die Jacke stecken möchte. Dies sollte mich im Sommerurlaub nicht passieren, zumindest hoffe ich das.

Wenn man von Langzeitbelichtung spricht, meint man Belichtungszeiten von mehrere Sekunden bis hin zu mehreren Minuten. Es gab auch schon extreme Langzeitbelichtungen, die über mehrere Monate liefen, nur lässt sich sowas nicht mit meinem Urlaubskontingent vereinbaren. Lange Belichtungszeiten sind nachts eher kein Problem. Tagsüber jedoch muss man der Kamera etwas nachhelfen, die Lichtmenge zu reduzieren. Dies macht man typischerweise mit einem ND Filter (Graufilter), den es in verschiedenen Stärken gibt. Diese ND Filter reduzieren die Lichtmenge um mehrere Blenden und lassen sich sogar kombinieren.  Die Bezeichnungen der ND Filter unterscheiden sich je nach Hersteller. Am Ende reicht es aber zu wissen, wieviele Blendenstufen der Filter schluckt. Ebenso können die Filter je nach Hersteller einen Farbstich verursachen. Die ganz teuren Filter sind hier auch keine Ausnahme, so dass ich mir das nicht wirklich einen Kopf mache. Eine nachträgliche Korrektur des Bildes am Rechner, entfernt den Farbstich dann ganz gut.

Was die  Ausrüstung anbelangt war es das schon. Nachts ist eine Taschenlampe ganz nützlich, wenn man an den Kameraeinstellungen rumhantiert. Wichtiger jedoch ist die Lampe für den Heimweg, wenn es mal ganz dunkel ist und man sich in unwegsamen Gelände befindet. An der Stelle bevorzuge ich eine Stirnlampe, da ich dann beide Hände frei habe.

Spiegelvorauslösung? Kann sein, dass man diese braucht. Kommt auf die Belichtungsdauer an. Worum geht es da? Wenn der Spiegel hochklappt, gibt es Vibrationen der Kamera, welche vor allem bei langen Brennweiten auf dem Bilder sichtbar sind, wenn die Belichtungsdauer relativ kurz ist. Liegt meine Belichtungszeit im Bereich mehrerer Sekunden, sollte dieser Effekt nicht sichtbar sein und man kann eigentlich drauf verzichten. Kritischer bei diesen langen Belichtungszeiten ist ein stetiger Wind, der dauerhaft an der Kamera rüttelt. Hier ist wieder das Stativ gefragt. Auch der Standort kann entscheidend sein für scharfe Bilder. Eine stark befahrene Brücke würde ich als nicht optimal ansehen. Festes Erdreich als Untergrund dämpft Vibrationen besser ab.

Was die Belichtung anbelangt, mache ich es mir einfach. Tagsüber werde ich den Apparat ganz normal einstellen und dann die Korrektur der Belichtungszeit abhängig von meinem ND Filter durchführen. Dafür gibt es APPs, Tabellen oder einfach die Faustformel, dass ein ND1000 Filter aus 1/1000s eine Belichtungszeit von 1s macht, der Rest läßt sich einfach im Kopf rechnen. Ich werde mir trotzdem eine Tabelle ausdrucken, geht schneller und verhindert Rechenfehler 😉