Über die Durchführung einer Langzeitbelichtung habe ich das letzte Mal geschrieben. Heute geht es um die Ausrüstung. Kamera und Objektiv sind für Langzeitaufnahmen nicht immer ausreichend. Je nach Ausgangssituation sind weitere Ausrüstungsgegenstände notwendig und bleiben wir zunächst bei Kamera und Objektiv, sind nicht alle für Langzeitbelichtungen gleichermaßen geeignet.

Welches Objektiv man jetzt genau verwendet, bestimmt in der Regel die vorhandene Ausrüstung in der Fototasche. In den meisten Fällen wird man mit einem Weitwinkelobjektiv arbeiten. Dieser werden meist in der klassischen Landschaftsfotografie eingesetzt.  In vielen Fällen ermöglichen kleine Brennweiten dramatischere Perspektiven. Weitwinkelobjekte haben noch einen weiteren Vorteil. Die Schärfentiefe ist bereits bei niedrigen Blendenstufen recht hoch, so dass man flexibler bez. der Einstellmöglichkeiten ist. Die Lichtstärke der Objektive ist hier eher zweitrangig, da man bei den meisten Langzeitbelichtungen sowieso stark abblendet. Somit wäre eine Linse mit F1.2 in den meisten Fällen nicht notwendig, außer man will tatsächlich die Eigenschaften einer sehr weit geöffneten Blende nutzen.  Man sollte jedoch in der Lage sein, Autofokusbetrieb abzustellen, um manuell zu fokussieren. Ebenso sollte ein eventuell vorhandener Bildstabilisator abschaltbar sein. Diese Funktion ist normalerweise dafür zuständig Verwacklung zu vermeiden. Bei Langzeitbelichtungen ist die Kamera auf einem Stativ montiert und somit der Bildstabilisator nicht notwendig. Es kann sogar dazu führen, dass Bilder unscharf werden. Ursache dafür ist die Tatsache, dass die Gyrosensoren, die normalerweise die Bewegung des Objektives erkennen, eine absolute Ruhe des Objektives nicht kennen (vereinfacht ausgedrückt) und selbst hier Korrekturen durchführen wollen.

Was die Kamera anbelangt, kann man mit jedem Gerät „irgendwie“ eine Langzeitbelichtung machen. Möchte man auf das „irgendwie“ verzichten, sollte die Kamera über ein paar Eigenschaften verfügen, die bei dieser Art von Fotografie unterstützen. Sofern man nicht eine kleine Point’n’Shoot Kamera oder sein Smartphone nutzen möchte, hat man in der Regel schon mal eine Kamera die ausreichen sollte. Eine DSLR braucht es nicht. Die Kamera sollte ein paar Einstellmöglichkeiten besitzen, die ich im Folgenden aufzähle.

Zunächst sollte die Kamera einen manuellen Modusbesitzen. Eine Belichtungsautomatik kann man hier nicht brauchen. Langzeitbelichtungen sind keine Situationen, mit denen Automatiken umgehen können. Hier muss man alles selber einstellen können. Ebenso sollte die Kamera einen „Bulb“ Modus haben, welcher erlaubt, die Belichtungszeit frei zu wählen. Für die spätere Bearbeitung sind Aufnahmen im RAW-Modus wünschenswert, da man hier am meisten Reserven hat. Es sollte möglich sein einen Fernauslöser anzuschließen und die Kamera auf einem Stativ zu befestigen. Für die Fokussierung nutze ich sehr gerne den Live View Modus. Ich stelle hierüber die korrekte Belichtung ein und das Bild manuell in der vergrösserten Ansicht scharf. Das waren die grundsätzlichen Eigenschaften die eine Kamera haben sollte. Dann wäre hier noch die Frage bez. des Sensors offen. Es geht nicht um möglichst viele Megapixel, sondern um möglichst große Pixel. Die kann durch zwei Maßnahmen erreicht werden. Erstens durch eine moderate Pixel-Anzahl und zweitens über die Größe des Sensors. Je kleiner der Sensor ist, desto gedrängter und kleiner sind die einzelnen Pixel. Je kleiner ein Pixel ist, desto schlechter ist das Verhältnis zwischen Nutzsignal und Rauschsignal. Erschwerend kommt bei Langzeitbelichtungen hinzu, dass der Sensor sich während der Aufnahme erwärmt und damit auch das Rauschen zunimmt. Hier stehen dann die Mittel- und Vollformatkameras ganz oben auf der Wunschliste, wobei erstere aufgrund ihres Preises meistens auch auf der Wunschliste stehen bleiben und es nicht in die Fototasche schaffen.

Längere Belichtungszeiten erfordern ein Stativ, andernfalls sind verwackelte Bilder nicht zu vermeiden. Bei Stativen gibt es eine preisliche Spanne von wenigen Euro bis sehr teuer. Am Stativ sollte nicht zu sehr gespart werden. Es gib leichte und kleine Stative, die sich einfach transportieren lassen. Und es gibt Stative, die genau das Gegenteil davon sind, dafür aber stabil wie ein Brückenpfeiler dastehen. Neben dem Stativ sollte auch der Stativkopf richtig gewählt werden. Der Stativkopf muss die Kamera inkl. Objektiv tragen können. Bei einer Vollformatkamera mit entsprechendem Objektiv bewegt man sich schnell im 2-3 kg Bereich. Inkl. Reserven muss man für den Stativkopf auch nochmal tiefer in die Tasche greifen.

Längere Belichtungszeiten erreicht man in der Nacht ohne weitere Hilfsmittel durch eine hohe Blendenzahl. Während der Dämmerung gelingt das noch bedingt, am Tage sieht das anders aus. Hier muss die einfallende Lichtmenge durch weitere Massnahmen reduziert werden. Hier kommen ND Filter zum Einsatz. Diese werden entweder auf das Objektiv geschraubt oder in eine am Objektiv befestigte Vorrichtung geschoben. Welches System man nutzt, hängt von ein paar Faktoren ab. Der Einstieg in die ND Filter ist bei der Schraubvariante günstiger. Die Handhabung ist jedoch etwas aufwendiger. Nachdem alle Einstellungen am Objektiv durchgeführt wurden, muss der Filter aufgeschraubt werden, ohne die Einstellungen zu verändern. Das funktioniert im Normalfall auch ohne Probleme. Das ständige Ab- und Aufschrauben wird aber mit der Zeit lästig. Vor allem bei Kälte macht das nur bedingt Spaß. Ein Nachteil der Schraubfilter ist der feste Durchmesser. Das Objektiv muss den gleichen Gewindedurchmesser haben. Besitzt man mehrere unterschiedliche Objektive, die man nutzen möchte, so kauft man sich entweder mehrere Filter oder entsprechende Adapterringe.

Einsteckfilter leisten das gleiche wie Schraubfilter, können aber noch mehr und ermöglichen einen besseren Arbeitsablauf. Einsteckfilter sind rechteckige Kunststoff oder Glasplatten, mit einer entsprechenden Beschichtung. Diese Platten werden in Halter geschoben, die man am Objektiv befestigt sind. In so einer Halterung lassen sich mehrere Filterplatten einstecken und damit kombinieren. Bereits hier ist der Vorteil von Einsteckfilter ersichtlich. Nachdem alles eingestellt ist, schiebt man den Filter einfach in den Halter und kann loslegen. Nutzt man ND Verlaufsfilter, dann spielen die Einsteckfilter ihre Stärken voll aus. Im Gegensatz zu schraubbaren Verlaufsfiltern, ist es möglich den Übergang des Filters in der Vertikalen zu verändern, wodurch man viel flexibler ist. Ebenso lässt sich der Abstand von Filterplatte zu Objektiv variieren und somit die Härte der Verlaufsgrenze anpassen. Je näher der Filter am Objektiv ist, desto härter wird der Übergang des Verlaufs.

Ich habe beide Systeme im Einsatz und komme mit beiden zurecht. Bei den Einsteckfilter habe ich damals beim Kauf leider nicht genügend Reserven für zukünftige Objektive einkalkuliert und einen zu kleinen Halter gekauft. Da der Halter etwas mehr absteht, als ein Schraubfilter, sieht man den Halter an den Rändern der Fotos, sofern ich mit meinem Ultraweitwinkel arbeite.

Neben der Art des Filters ist auch die Stärke ein wichtiger Punkt. Je nach Hersteller sind die Angaben der Filterstärke unterschiedlich. Die Herstellerangabe ist eigentlich egal. Was man wissen muss, ist die Anzahl an Blendenstufen, die der Filter reduziert. Hier kann man ruhig einen recht starken Filter nutzen. Man hat noch immer Blende und ISO als Mittel die Belichtungszeit zu verkürzen, sofern notwendig. Falls die Belichtungszeit dann noch immer zu lange ist, kann man ohne Filter arbeiten und die Blendenzahl erhöhen. Alternativ kann man sich mehrere ND Filter kaufen und diese je nach Situation kombinieren. Dann gibt es noch variable ND Filter, die aus zwei Filterscheiben bestehen, die gegeneinander verdreht werden und sich die Lichtdurchlässigkeit dabei ändert. Mit diesen Filtern habe ich keine Erfahrung.

Ich selber nutze einen ND Filter, der vom Hersteller die Bezeichnung ND 3.0 trägt. Der Filter soll die Lichtmenge um zehn Blendenstufen reduzieren. Das passt für mich wunderbar, da ich meine zehn Finger nutzen kann, die richtige Belichtung zu berechnen. 😉 Zehn Blendenstufen bedeutet, dass nur etwa ein Tausendstel der Lichtmenge durchgelassen wird. Oder anders, für eine korrekte Belichtung muss die Zeit um den Faktor 1000 hochgeschraubt werden. Bedeutet einfach nur, dass aus einer 1/1000s Belichtung mit Filter eine ganze Sekunde lang belichtet werden muss. Den Rest kann man ganz einfach herleiten.

Leider sind ND Filter nicht immer farbneutral. Vor allem die starken, erzeugen einen Farbstich. Je nach Hersteller werden die Bilder entweder zu warm oder zu kalt. Selber konnte ich den Effekt nicht über mehrere Hersteller testen. Mein Filter erzeugt einen Magentastich, der sich aber in der Nachbearbeitung einfach entfernen lässt und für mich kein wirkliches Problem darstellt.

In der Regel kann man Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden direkt an Kameras einstellen. Längere Zeiten erreicht man über den Bulb Modus. Hier bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser betätigt wird. Nun kann man den Auslöser mit dem Finger runterdrücken und warten bis die 3 Minuten Belichtungszeit rum sind oder man nimmt einen Fernauslöser. Diese lassen sich in der Regel auch arretieren. Fernauslöser gibt es kabelgebunden oder kabellos. Ich bevorzuge die erstere Variante, die mich unabhängig von Batterien macht und auch sicherer funktioniert. Kabellose Fernbedienungen arbeiten mit Infrarot. Ich habe an sehr hellen Tagen die Erfahrung gemacht, das die Auslösung nicht immer zuverlässig funktioniert.

Neben den grundsätzlichen Ausrüstungsgegenständen gibt es noch weitere, die das Fotografieren noch ein wenig komfortabler machen. Da wäre zunächst eine Stirnlampe, die nachts gute Dienste leistet, wenn man an der Kamera hantiert und beide Hände frei haben möchte. Eine ND Filter Umrechnungstabelle oder App erspart einem das Kopfrechnen, wenn man die neue Belichtungszeit ermitteln möchte. Ich habe mir eine Tabelle erstellt und in Scheckkartengröße ausgedruckt und laminiert.

Das nächste Mal beschäftige ich mich mit der Frage, wie lange eine Langzeitbelichtung dauern sollte.