Es ist wieder soweit. Mein Sohn und ich haben den ersten Schneemann gebaut und draußen ist es bitterkalt. Da ich bekennender Warmduscher bin, braucht es nur wenige Minusgrade, damit ich wieder schnell ins Warme mag. Unglücklicherweise ist mein Sohn aus einem anderen Holz geschnitzt und da muss der Alte immer wieder für längere Zeit mit raus. Mag es noch so kalt sein, die Kamera ist natürlich am Mann und funktioniert auch trotz Kälte tadellos. Nur eines mag sie nicht – den raschen Übergang ins Warme.

Wer seine Kamera jetzt nach draußen nimmt, sollte beachten, dass ein schneller Übergang ins Warme für die Bildung von Kondenswasser sorgt. Dieses kann die Kamera schädigen. Brillenträger kennen das Phänomen. Betritt man im Winter die warme Stube, sieht man zunächst mal nichts mehr. Die Brille ist total beschlagen und muss erst einmal wieder auf Raumtemperatur kommen. Ein anderes Beispiel sind die Fensterscheiben, die im Winter morgens beschlagen, wenn das Haus gelüftet wird. Die Kondenswasserbildung hängt damit zusammen, dass warme Luft viel mehr Wasser aufnehmen kann als kalte. Kommt diese warme Luft nun mit einer kalten Oberfläche in Berührung, wird sie abgekühlt und der Wasserdampf fällt als Tau aus. Die sogenannte Taupunkttemperatur bei der das passiert liegt bei höherer Wasserdampfsättigung der Luft auch entsprechend höher aus.

Okay, tolle Sache. Was passiert aber mit der Kamera? Eine sehr kalte Kamera kommt von draußen in einen warmen Raum. Die warme Luft wird durch das sehr kalte Kameragehäuse abgekühlt und gibt seine Feuchtigkeit in Form kleinster Wassertropfen an das Gehäuse ab. Diese winzigen Wassertropfen bilden sich auf dem Gehäuse der Kamera, dem Objektiv und auch im Inneren der Kamera, unter anderem auf der Elektronik. Wird der Apparat nun in Betrieb genommen, kann es zu Störungen durch feuchtigkeitsbedingte Kurzschlüsse kommen. Dies kann sogar bis zur dauerhaften Schädigung der Kamera führen.

Also was tun? Eine eher weniger sinnvolle Variante ist die Freilandhaltung der Kamera. Kein warmer Raum – kein Kondenswasser. Sinnvoller erscheint es der Kamera die Möglichkeit zu geben sich zu akklimatisieren. Heißt, sie kann sich in Ruhe auf eine Temperatur erwärmen, die für einen Übergang in ein warmes Zimmer unkritisch ist. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. All diese Möglichkeiten haben gemein, dass sie die Kamera von der warmen Zimmerluft isolieren.

Die erste und einfachste Möglichkeit ist es die Kamera in der Kameratasche zu lassen und im kalten Flur ein paar Stunden abzustellen. Die Polsterung der Kameratasche wirkt wie eine Isolierung und führt zu einem langsamen Erwärmen der Kamera. Außerdem hält die geschlossene Tasche die feuchte Luft von der Kamera ab. Wie lange die Akklimatisierung der Kamera dauert, hängt natürlich von der Temperatur im Flur, der Isolationswirkung der Tasche und dem Inhalt dieser zusammen. Läßt man der Kamera aber über Nacht Zeit, sollte das gröbste überstanden sein.

Bei der zweiten Varianten kommt eine Plastiktüte zum Einsatz. Bevor man den warmen Raum betritt, wird die Kamera im Freien in den Plastikbeutel gesteckt. Die Luft wird so gut es geht aus dem Beutel gedrückt und dieser dann möglichst dicht verschlossen. Dafür kann man eine Plastikklammer nutzen, die es für Gefrierbeutel gibt. So verarztet kann die Kamera auch langsam auf Raumtemperatur gebracht werden. Es wird sich Kondensat bilden, jedoch außerhalb auf dem Beutel. Innerhalb der Beutels fehlt die Feuchte und damit ist die Kamera sicher. Ich verwende dafür gerne große Gefrierbeutel, da diese erst einmal recht robust sind und zweitens in der Fototasche wenig Platz wegnehmen. Bei der Plastikbeutelmethode warte ich solange, bis die Kamera Raumtemperatur erreicht hat bevor ich sie entnehme.

Sofern ich die Bilder schneller von der CF Karte auf dem Rechner laden möchte, entnehme ich auch draußen die Speicherkarte und stecke sie in einen separaten Beutel. Die kleinere Speicherkarte erwärmt sich schneller als die Kamera und ich kann nach relativ kurzer Zeit die Bilder auf den Rechner laden.

Sofern man bei einem Shooting draußen eine Pause in einem Café macht, sollte man die Kamera in der Tasche lassen und nicht etwa auf die Idee kommen, bei einem leckeren Kaffee die Bilder durchzuschauen. Auch hier würde die Kamera beschlagen und eventuell Schaden nehmen. Genauso schlecht ist die Idee, das Objektiv der Kamera für die zweite Shooting-Runde nach dem Kaffee zu wechseln. Hierdurch gelangt erst recht Feuchtigkeit ins Kameragehäuse und richtet potentiell Schaden an.

Und wenn wir schon von Kälte und Kameras sprechen, sollten die Akkus nicht unerwähnt bleiben. Die Dinger sind nämlich die gleichen Warmduscher wie ich. In der Kälte verlieren sie ihre Leistung und der beste Weg dem entgegenzuwirken ist, sie nahe am Körper zu tragen, wo es schön warm ist. Ideal sind die Innentaschen der Jacke.