Es ist schon wieder über ein Jahr her, dass ich meine letzte große Motorradtour gemacht habe. Beschrieben habe ich sie bereits in zwei Beiträgen: Fahrt zum Nordkapp – Teil 1 und Fahrt zum Nordkapp – Teil 2. Auf meiner Platte schlummerte aber noch ein weiterer Artikel, den ich fast vergessen hätte und auch wenn es etwas spät ist, liefere ich diesen noch nach.

Diesmal soll es um die Campingplätze entlang meiner Route gehen. Einerseits, um festzuhalten, welche davon gut waren und welche sich für eine weiträumige Umfahrung anbieten. Und, es sind ein paar lustige Erinnerungen dabei, die mich immer wieder zu der Frage führen, warum Leute überhaupt in Urlaub fahren.

Stell Dir vor, Du liegst vor Deinem Zelt, das Du gerade aufgeschlagen hast. Es ist später Nachmittag. Die Sonne scheint auf Dich und ihre Strahlen prickeln im Gesicht. Dein Kopf ruht auf der zum Kissen zusammengerollten Motorradjacke. Die Motorradhose hast Du noch an. Die Stiefel auch. Warst einfach zu faul, sie auszuziehen. Es ist ruhig. Gelegentlich gibt es einen kühlen Windstoß. Du überlegst, ob Du morgen weiterfährst oder doch noch einen Tag hier verbringst. Du hebst Deinen Kopf, um einen Schluck Whiskey zu nehmen, dabei bleibt dein Blick an einer sich öffnenden Campingwagentüre auf der anderen Seite des Platzes hängen. Man erkennt nicht wer da raus möchte, da sie wieder zufällt. Offensichtlich hat derjenige die Hände nicht frei. Die Türe wird nochmal mit dem Fuß aufgestossen. Es ist Mutti, die rauskommt. Weißer Bademantel, Haarwickler und ein Staubsauger in den Händen – ohne Scheiss!  Die Türe fällt erneut zu, wird aber gleich erneut energisch aufgestoßen, diesmal mit der Schulter. Heute sind die Bezüge im Auto fällig. Vermutlich wie schon am Vortag und am Tag davor. Drinnen hat sie sicher bereits gesaugt, wahrscheinlich auch die Fenster geputzt. Ich stelle mein Whiskeyglas (eigentlich ein Plastikbecher…) wieder hin und mein Kopf sinkt zurück auf meine Jacke. Ich schaue den vorbeiziehenden Wolken zu, schlucke den Whiskey und überlege, während sie da drüben ihre 1600Watt Maschine anwirft, wann ich morgen früh losfahren muss, um die erste Fähre zu erwischen. Wir reden hier von einer sehr realen Szene. Da wird auch schon mal um 10Uhr Abends der Rasen gemäht oder den anderen klargemacht, auf welchen Countrysong man steht, indem man, abgesehen von der Lautstärke, das gleiche Stück mehrfach hintereinander abgespielt und in Unterwäsche im Vorzelt abrockt.

Aber kommen wir zu den Campingplätzen, meiner Tour – in chronologischer Reihenfolge.

Am Ende des ersten Tages, kam ich aufgrund mehrerer Staus recht spät auf Fehmarn an. Der Campingplatz in Puttgarden war einfach und bis auf den nächtliche Rasenpflege durch den Nachbarn in Ordnung. Leider, wenig windgeschützt, was meinen ersten Abend im Zelt nicht unbedingt gemütlich machte. Allerdings wusste ich da noch nicht, was mich die nächsten Tage temperaturmäßig erwarten sollte.

Am zweiten Tag wollte ich Strecke machen und möglichst schnell ins nördlichere Schweden kommen. Abends landete ich auf dem Folkets Park Camping in Trollhättan. Um den Kauf der skandinavischen Campingkarte kam ich leider nicht herum. Diese wird recht häufig auf Campingplätzen verlangt. Naja, so teuer war sie dann auch nicht. Der Campingplatz liegt auf einem schönen hügeligen Gelände mit hohen Bäumen. Im Aufenthaltsraum konnte ich mich aufwärmen, während ein WM Spiel der Deutschen lief. Es gab Steckdosen und die Küche war auch einigermaßen gut eingerichtet.

Patrick Markl Fotografie Nordkapp Teil 3-1

Am nächsten Tag war in Sveg Schluß. Mitten in Sveg steht eine riesige hölzerne Schweineskulptur und schweinekalt war es ebenfalls. Der Campingplatz – eher unspektakulär. Eben und grasbewachsen. Küche und Sanitäranlagen waren okay. Aufgrund der Temperaturen war da nicht viel los, obwohl der Platz ganz gut gefüllt war.

Patrick Markl Fotografie Nordkapp Teil 3-2

 

Auf dem Saiya Campingplatz in Vilhelmina endete meine Fahrt über den Vildmarksvegen. Von Schneestürmen im Juni und der dichtesten Braunbärenpopulation der Welt, habe ich gelesen. Die Geschichten, mit denen man später die Mädels beeindruckt. Und was war? Nichts! Es war nur kalt.Der Vildmarksvegen war eine der schönste Streckenabschnitte meiner Tour. Leider durfte man die Strasse nicht verlassen, da eine Vogelbrutzone entlang der Strasse eingerichtet war und mit Sperrband abgesteckt. Als ich dann gegen 21 Uhr am Campingplatz ankam, hatte dieser glücklicherweise noch offen. Schön gelegen an einem See, waren die Einrichtungen hier auch gut. Lediglich in der Küche und im Aufenthaltsraum ging es etwas eng zu. Der Boden war leider auch sehr steinig, so dass sich die Zeltheringe nur schwer einschlagen liesen. Aber wer auf Schneestürme und Bären hofft, kommt auch mit ein paar Steinchen zurecht.

Patrick Markl Fotografie Nordkapp Teil 3-3 Patrick Markl Fotografie Nordkapp Teil 3-4 Patrick Markl Fotografie Nordkapp Teil 3-5 Patrick Markl Fotografie Nordkapp Teil 3-6

Die letzte Teilstrecke in Schweden endete in Haparanda, einer Grenzstadt zu Finnland. Dort liegt einer der schönsten Campingplätze der Strecke – Kukkolaforsen Camping. Der Platz liegt an einem reißenden Fluß, in den lange Stege hineinragen. Von dort aus werden dann Fische mit Keschern gefangen. Am anderen Ufer liegt Finnland. Der Platz ist sehr schön, allerdings auch schweineteuer. Von der Ausstattung paßt alles, bis auf die Sanitäranlagen. Dort treffe ich dieses Mal die ersten Sandfliegen. Ihnen ist es draußen einfach zu kalt und daher kleben sie alle an den beschlagenen Fensterscheiben und ich meine „kleben“. Das Wetter ist eigentlich meist ein ideales Smalltalk-Thema. Und da es dieses Mal so erbärmlich kalt ist , fällt es mir nicht schwer ein Gespräch mit dem Mädel an der Rezeption zu beginnen, was dann ungefähr so ablief: „Oje, dieses Jahr ist es ja richtig kalt um die Jahreszeit! Wann wird es denn wärmer?“ Darauf sie (offensichtlich überrascht): „Ja, stimmt! Es ist wirklich kalt.“, und wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Damit war das Gespräch beendet. Ich rede ja schon recht wenig, ab hier habe ich meinen Meister gefunden…

Patrick Markl Fotografie Nordkapp Teil 3-7

Jetzt ist der Artikel doch wieder recht lang geworden. Hätte nicht gedacht, dass es noch so viel zu erzählen gibt. Daher den Rest dann im vierten Teil.