Dies ist der erste Teil meines Reiseberichts zum Nordkapp. Der zweiter folgt demnächste. Für die Ungeduldigen gibt es die Bilder ganz unten.

2014-06-20: Ludwigsburg nach Fehmarn

Es geht los. Während ich morgens das Gepäck auf das Motorrad schnalle, fängt es zu regnen an. Hatte sich der Typ im Radio am Vortag nicht tierisch auf das gute Wetter gefreut? Also Regenkombi auspacken und über die Motorradkluft ziehen. Als ich mich in das Ding reingezwängt habe, hört der Regen auf und ich stehe schwitzend da. Umsonst habe ich ihn aber nicht angezogen. Kurz nach der Auffahrt auf die Autobahn fängt es wieder an zu regnen.

Es geht Richtung Norden – zum Nordkapp. Über 4000 km liegen vor mir und ich hoffe, dass das Wetter sich bessern wird. Vor vier Jahren habe ich bereits mit einem Freund eine Motorradtour dorthin gemacht. Wir hatten auf der Hinfahrt gutes Wetter und selbst am Nordkapp 20°C und blauen Himmel. Auf der Rückfahrt durch Norwegen, war das Wetter zwar schlecht, aber rückblickend, war es eine geile Tour! Eigentlich wollte ich anfangs ein Tour nach Schottland machen, habe mich aber wegen der Landschaft und der Ruhe noch einmal für das Nordkapp entschieden.

Bevor ich losfahre, prüfe ich noch einmal, ob das Gepäck gut verstaut ist. Seitenkoffer, ein Packsack und das Zelt, sowie ein Tankrucksack, in dem meine Fotoausrüstung untergebracht ist. Am Vortag habe ich noch verzweifelt mein Kochgeschirr gesucht, aber nicht mehr gefunden. Dafür aber den Gaskocher, den ich seit fünf Jahren vermisse. Er ist, durchaus logisch, im Rucksack mit dem Picknickgeschirr verstaut gewesen. Nur habe ich da die letzten Male, als ich ihn brauchte nicht nachgeschaut. Da ich mittlerweile einen Benzinkocher habe, nehme ich das zur Kenntnis und stelle fest, dass mir mein Campinggeschirr abhanden gekommen und ich mir ein Neues kaufen muss. Da ich aber  schon früh losfahren und nicht erst warten möchte, bis der Outdoorladen bei uns aufmacht, werde ich das unterwegs tun. Ein Outdoorladen, der auf der Strecke liegt, ist im Netz schnell gefunden.

Die Fahrt läuft gut und bis auf Tankpausen, mache ich die Kilometer weg. Nachdem ich in Göttingen mein Geschirr gekauft habe, fahre ich wieder auf die A7 auf und stehe kurz darauf im ersten Stau des Tages. Leider eine Baustelle mit verengten Fahrstreifen, daher fahre ich mit meinen Seitenkoffern nicht vorbei, sondern stelle mich brav mit dem Autos hinten an. Als ich dann endlich aus dem Stau raus bin, läuft es wieder gut, bis ich nach Hamburg erneut in einer ewig langen Baustelle im Stau stehe. Der Stau wurde durch einen Auffahrunfall im Baustellenbereich verursacht. Da sich die Parteien nicht einig werden, muss die Polizei anrücken. Mittlerweile ist es schon nach Acht Uhr.

Nach über 12 Stunden komme ich auf Fehmarn an und baue mein Zelt auf dem ersten Campingplatz auf, den ich finde. Als das Zelt steht, will ich mir einen Tee kochen, bekomme aber den verdammten Benzinkocher nicht an. Vor zwei Tagen lief das Ding doch noch – also kein Tee. Warum muss das Teil jetzt gerade kaputtgehen? (Nach der Rückkehr hat sich herausgestellt, dass nicht der Brenner kaputt war, sondern ein Bedienfehler mich an dem Abend von meinem Tee abgehalten hat. Manchmal sollte man doch die Bedienungsanleitung nochmal überfliegen…)

Und während ich das so schreibe, holt der Kerl neben mir seinen Elektrorasenmäher raus und mäht vor seinem Campingwagen Gras. Um 10Uhr Abends… Warum fahren diese Leute in Urlaub? Weil sie keinen Rasen zu Hause haben? An diesem Tag verbuche ich das als Glück, es hätte auch ein kleiner Rasenmähertraktor sein können.

2014-06-21: Fehmarn nach Trollhättan

Ich wache auf und lausche. Keine Regentropfen fallen auf das Zelt. Schon mal ein guter Anfang. Heute geht es mit der Fähre nach Dänemark und dann weiter Richtung Schweden. Genauso wie am Vortag ist heute „Strecke machen“ angesagt. Der Himmel deutet allerdings schon am Morgen auf Regen hin, also ziehe ich vorsichtshalber schon mal den Regenkombi an. Auf der Fahrt durch Dänemark friere ich ordentlich. Es ist kühl und zudem weht ein ordentlicher Wind. Kurz vor Zwölf bin ich an der Öresundbrücke und fahre nach Schweden rein. 25 Euro Maut für ein Motorrad finde ich schon recht teuer. Die Fähre von Fehmarn nach Rodbyhavn war mit 52 Euro auch nicht unbedingt ein Schnäppchen.

Nachdem ich die Brücke überfahren habe, halte ich in Malmö an der ersten Tankstelle zum tanken an. Anschließend fahre ich im Regen weiter Richtung Göteborg. Das mit dem Benzinkocher nervt mich schon gewaltig und ich überlege, ob ich einen Gaskocher kaufen soll oder mir den Benzinkocher nochmal zur Brust nehme. Da ich in zwei Läden keinen finde, werde ich es wohl am Abend noch einmal probieren. Seit meiner Abfahr von Daheim, komm ich mir wegen meiner voll gepackten Maschine etwas doof vor. Dieses Gefühl verschwindet aber, nachdem ich von mehreren Reisebombern überholt werde. Dicke Reiseenduros mit Seitenkoffern, die wahrscheinlich mein komplettes Gepäck aufnehmen könnten, Topcase und einem Tankrucksack. Und weil das noch nicht reicht ein dicker Wanderrucksack auf dem Soziusplatz. Was zum Henker habem diese Leute dabei? Mein Gepäck enthält bereits einige Luxusartikel und ist kompakter…

Der heutige Tag endet in Trollhättan. Ich fahre ich auf einen Campingplatz und mache für heute Schluss. Bevor ich auf diesem Campingplatz übernachten darf, muss ich noch ein Skandinavien Camping Card kaufen. Das Ding kostet um die zwölf Euro, da lohnt sich keine Diskussion.

Nachdem das Zelt steht, gehe ich zur Küche und koche mir meinen Tee, weil ich den Benzinkocher nicht anbekomme. Den Abend verbringe ich mit anderen Campern vor der Glotze und schaue das WM Spiel Deutschland/Ghana an.

Auch heute werde ich von den Campern verfolgt. Gegenüber von meinem Zelt steht der Prototyp des Campers – nur in seiner Unterhose, mit einem Granatenkessel. Ein Arm nach oben gestreckt, kratzt er sich mit dem anderen unter der Achsel und singt zur laut aufgedrehten Countrymusik, mit der er den halben Platz beschalt. Nur nicht in Englisch. Der Sprache scheint er nicht mächtig zu sein. Irgendwann ist auch diese Platte am Ende und ich schlafe ein.

2014-06-22: Trollhättan nach Sveg

Ich friere, als ich morgens um 4 Uhr aufwache und decke ich mich zusätzlich mit meiner Motorradjacke zu. Dann schlafe ich wieder ein. Beim nächsten Aufwachen, ist es viel besser. Die Sonne scheint auf das Zelt, es ist warm. Scheint ein guter Tag zu werden. Heute ist wieder Strecke machen angesagt. Über Karlstad geht es nach Mora. Dort angekommen, stelle ich fest, dass der Weg bis Strömsund doch noch weiter ist, als ich gedacht habe. Daher endet die Route heute in Sveg. Dieser Streckenabschnitt war schön, jedoch nicht außergewöhnlich. Viele Felder und Weiden, voll mit Lupinen.

Ich bin ohne Navi unterwegs. Ursprünglich wollte ich mir eines anschaffen, habe es aber aufgrund der Kosten für ein anständiges Gerät doch gelassen. Bisher läuft es auch ohne ganz gut. Ist auch nicht sonderlich schwer. Bis Göteborg bin ich die E6 gefahren, danach auf die E45 abgebogen und auf der bleibe ich jetzt für eine Weile. Zudem ist die Beschilderung ziemlich gut. Man kommt mit einem Strassenatlas gut zurecht. Leider ist meiner bereits sieben Jahre alt, so dass die Strassenbezeichnungen sich teilweise geändert haben. Allerdings benötigt man nicht sonderlich viel Fantasie, um trotzdem die richtige Strecke zu finden.

In Sveg angekommen, finde ich einen schönen Campingplatz und schlage mein Zelt auf. Es ist kühl aber sonnig.

2014-06-23: Sveg nach Vilhelmina über den Vildmarksvägen

Der Tag startet mit Sonnenschein. Von Sveg aus fahre ich nach Strömsund, um von dort auf den Vildmarksvägen zu fahren. Der Vildmarksvägen ist eine 500km lange Rundstrecke, die auf ein Hochplateau names Stekenjokk führt. Auf dem Weg zum und vom Hochplateau gibt es unzählig viele Wasserfälle und Bäche. Die Rundstrecke führt wieder zurück nach Strömsund. Ich werde nicht im Kreis fahren, sondern ab Vilhelmina weiter Richtung Norden. Bei der Streckenplanung bin ich zufällig über den Vildmarksvägen gestoßen und mich hat das Hochplateau Stekenjokk, sowie die größte Braunbärendichte der Welt gereizt.

In Strömsund angekommen, tanke ich voll und fahre auf die Strasse 342. Der kalte Wind der letzten Tage hat aufgehöhrt zu wehen und die Sonne scheint. Die Strasse ist gesäumt von Wäldern und die Strassenränder sind voller Blumen. Nur die Strasse selber hat im Vergleich zur E45 einen schlechteren Zustand. Diese wird leider, je weiter ich fahre, immer schlimmer. Es gibt sehr viele, teils heftige, Bodenwellen und Schlaglöcher. Sieht man diese zu spät, wird man ordentlich durchgeschüttelt. Ein paar Mal tut mir das Fahrwerk richtig Leid. Von Göddede aus fahre ich dann weiter Richtung Stekenjokk. Die Strasse zu dieser Hochebene, steigt stetig an und der Zustand derselbigen wird immer schlimmer. Irgendwann wird es auch langsam kälter und die ersten schneebedeckten Berge tauchen auf. Oben angekommen, bietet sich mir eine tolle Landschaft. Vom letzten Winter ist noch viel Schnee übrig. Dieser schmilzt in unzählige Bäche. Leider darf ich die Landschaft nur von der Strasse aus fotografieren, da die gesamte Strecke zum und am Stekenjokk Vogelschutzgebiet ist und das Betreten strengstens verboten ist. Am höchsten Punkt sind es 848m üNN, dann geht es wieder bergab Richtung Vilhelmina. Die Landschaft am und um den Vildmarksvägen ist sehr reizvoll. Sie in einem Tag zu durchfahren, ist viel zu kurz. Aber selbst bei diesem Schnelldurchgang habe ich schöne Plätze gesehen. Gefühlt, habe ich alle 100m angehalten, um Fotos zu machen. Es hat sich gelohnt!

Die beiden Reifen haben heute ziemlich gelitten. Zu sagen, der Vildmarksvägen würde Reifen fressen, wird ihm nicht gerecht. Ungekaut schlucken kommt dem schon viel näher. Bin mal gespannt, ob sie bis zum Ende halten. Morgen verabschiede ich mich von der Mitte Schwedens und fahre in östlicher Richtung nach Haparanda am Botnischen Meerbusen. Haparanda ist die Grenzstadt zu Finnland. Von dort geht es dann durch Finnland weiter Richtung Nordkapp.

2014-06-24: Vilhelmina nach Haparanda

„Oh yes! Can’t believe it’s Midsommar“, antwortet mir das blonde Gift hinter der Rezeption in Kukkolaforsen, als ich sie Abends beim Einchecken auf dem Campingplatzes auf das kalte Wetter anspreche. Auf die Frage, wie das Wetter in den nächsten Tagen werden soll, zuckt sie mit den Schultern. Ist ihr wahrscheinlich egal, weil sie später zu ihrem Lasse heimgeht und es sich vor einem prasselnden Kaminfeuer bequem machen wird und nicht wie ich in einem Zelt erfriert. Oder aber , ich bin einfach ein Weichei.

Heute war wieder ein Regenkombitag. Es gab ein paar teils kräftige Regenschauer. Über die Strecke nach Haparanda gibt es nicht viel zu berichten. Morgens fahre ich bei Vilhelmina weiter auf der E45 und wechsele dann auf die besser ausgebaute E4. Abends, in Haparanda angekommen, muss ich etwas nach dem Campingplatz suchen. Als das Zelt aufgebaut ist, dauert es nicht mehr lange und ich schlafe erledigt ein.

Morgen geht es über die Grenze nach Finnland. Übermorgen erreiche ich das Nordkapp und dann bin ich schon wieder auf der Rückreise.

2014-06-25: Von Haparanda durch Finnland nach Karasjok

Großes Erwartungen hatte ich an die Strecke in Finnland. Es sollte von Haparanda über Rovaniemi nach Ivalo gehen. Ich kannte die Gegend nur von der Karte und nahm an, dort eine schöne Landschaft zu finden.

Leider werde ich herb enttäuscht. Die Gegend ist so trostlos, dass ich beschließe direkt nach Norwegen durchzufahren, anstatt wie ursprünglich gedacht in Nordfinnland zu campen. Die komplette Strecke von Haparanda nach Ivalo ist eine Schnellstrasse, die durch ein paar Provinznester führt. Die Abschnitte dazwischen sind hauptsächlich unspektakuläre Nadelwälder. Ansonsten fährt man ewig geradeaus. Unterwegs muss ich tanken und wähle gerade eine Tankstelle aus, die weder meine EC noch meine VISA Karte annimmt. Zum Glück habe ich noch genug Bargeld dabei, um die Benzinfüllung zu zahlen.

Eigentlich sollte die Etappe heute am Inari See enden. Dieser ist aber genauso langweilig und trostlos, wie die gesamte heutige Strecke. Daher beschließe ich weiter nach Karasjok in Norwegen zu fahren. Während der Inari See an sich ziemlich langweilig ist, macht die Strasse um den See Spaß. Schön kurvig und leer. Von der E75 zweigt die Strasse 92 dann nach Westen ab. Erneut ziemlich langweilig, bis kurz vor die norwegische Grenze. Da wird die Landschaft wieder schöner. Unzählige Bäche und Tümpel finden sich hier und die Vegetation ist wieder schöner. Kurz vor der Norwegischen Grenze befindet sich ein Naturreservat, mit einem schönen Rundweg um die größte Sußwasserquelle Finnlands. Der Rundweg ist auch in Motorradkleidung machbar. Danach geht es weiter nach Karasjok, das nur etwa 20 km nach der Grenze liegt.

Das letzte Mal bin ich die E8 Richtung Nordkapp gefahren. Über Enontekiö und dann nach Alta in Norwegen. Vor allem die Strecke von Palojärvi nach Alta in Norwegen ist sehr reizvoll. Da ich sie aber schon kannte wollte ich eine andere Strecke ausprobieren, was aber leider keine gute Entscheidung war. Fazit des heutigen Tages: Die Strecke über die E8 ist die interessantere und schönere.

2014-06-26: Von Karasjok zum Nordkapp

Heute ist die letzte Etappe zum Nordkapp dran. Morgens ist es bereits düster und der Himmel sieht nach Regen aus. Von Karasjok aus fahre ich nach Lakselv und dann weiter Richtung Nordkapp. Bis auf die vor Kälte schmerzenden Hände läuft alles gut. Es gibt hin und wieder einen Regenschauer aber die Strecke macht Spaß. Zu den Rentieren, die mir seit gestern immer wieder über die Strasse laufen, gesellen sich hier noch Schafe hinzu, die links und rechts von der Straße grasen. Es hat den Anschein, als wären die Rentiere und Schafe Autos und LKWs gewohnt. Motorräder sind ihnen nicht so geheuer. Ich muss aufpassen, dass sie bei den überstürzten Fluchten nicht im letzten Moment vor die Maschine springen.

Nach etwa 100km, erreiche ich den Nordkapptunnel. Er ist knapp sieben Kilometer lang und verläuft an seiner tiefsten Stelle 212m unter dem Meeresspiegel. Damit zählt er zu den tiefsten Tunneln der Welt. Mittlerweile wird für die Durchfahrt keine Maut mehr erhoben. Nachdem die Baukosten eingenommen waren, wurde diese abgeschafft. Also entfällt das lästige Herauskramen der EC Karte, vor allem muss ich dafür meine Handschuhe nicht ausziehen. Ich trage dünne Thermohandschuhe, darüber Motorradhandschuhe und dann noch Regenfäustlinge. Die kann ich zum Glück anlassen. Das Nordkapp und der Campingplatz liegen am anderen Ende der Nordkappinsel Magerøya und die ist nicht so klein. Daher tanke ich im größten Ort der Nordkappinsel, Honnigsvag, bevor es weiter geht. Zum Supermarkt werde ich am Abend fahren, wenn ich mich am Campingplatz eingerichtet habe.

Auf dem Campingplatz baue ich mein Zelt auf. Es ist bitterkalt. Eine größere Motorradgruppe aus Italien hat alle Hütten auf dem Campingplatz belegt. Die Frage, ob ich diesmal nicht doch eine Hütte nehme erledigt sich damit. Anschließend fahre ich zum Nordkapp, dem Ziel meiner Reise. Dort angekommen finde ich einen vollen Parkplatz. Vor allem Campingwagen. An der Nordkappstatue, die einen Globus darstellt, ist aber nahezu kein Mensch. Wahrscheinlich sitzen alle Camper in ihren Wägen und wärmen sich auf. An der Statue machen vier niederländische Biker Fotos von sich. Ich bitte sie, auch eins von mir zu machen. Damit ist zumindest das Beweisfoto im Kasten. Am Nordkapp gibt es ein großes Besucherzentrum. Neben einem riesigen Souvenierladen, kann man die Geschichte des Tourismus zum Nordkapp erfahren, sich einen Film und und eine Lasershow ansehen. Der Raum mit der Lasershow war bis vor ein paar Jahren eine Bar. Da Biere und Alkohol im Allgemeinen in Norwegen sowieso schon teuer ist, war die Bar meistens leer, da die Getränkekarte ziemlich gepfefferte Preise hatte.

Als ich Abends noch zum Supermarkt ins 20 km entfernte Honnigsvag fahre, sind es 4°C und es fällt Schneeregen – mir ist etwas unwohl auf dem Motorrad. Aufgrund der Kälte habe ich seit ein paar Tagen pelzige Fingerspitzen, die auch etwas schmerzen. Dieses Wetter macht es nicht besser. Während dem Einkaufen wärme ich mich im Supermarkt etwas auf, bevor es wieder zurück zum Campingplatz geht. Dort angekommen, setze ich mich in den Aufenthaltsraum, der schön warm ist. Nach dem Abendessen bessert sich das Wetter und da ich noch nicht müde bin, wandere ich noch zum Nahe gelegenen Kirkeporten. Dabei handelt es sich um einen Felsbogen. Von dort aus sieht man auch die Hornvika, den Hornissenstachel des Nordkapps. Kurz nach zwei Uhr morgens komme ich wieder am Campingplatz an und verziehe mich ins Zelt. Momentan gibt es keinerlei Dämmerung, man hat 24 Stunden Tageslicht und verliert etwas das Zeitgefühl.

Soviel wie heute hatte ich noch nie im Schlafsack an. Hose, Softshelljacke und noch die Winterfutter der Motorradkleidung habe ich angezogen, trotzdem ist es mir noch kalt. Das Fußstück meines Schlafsackes stecke ich in die Motorradjacke.

Auch wenn die Nordkappinsel auf den ersten Blick sehr öde wirkt, gibt es hier eine Vielzahl von Pflanzen die in den kurzen Sommern gedeihen. Vor einem Monat lag hier noch überall Schnee, jetzt ist dieser zu großen Teilen gewichen und wenn man genau hinsieht, findet man einige blühende Pflanzen. Im warmen Licht der Abendsonne ist diese Landschaft sehr schön, sicherlich nicht jedermanns Sache. Mir gefällt sie.