Ich stelle mal die These auf, dass viele, die gerne in der Freizeit fotografieren, früher oder später mit dem Gedanken spielen sich damit selbständig zu machen. Ich bin da keine Ausnahme. Im Netz gibt es eine Handvoll Leute, die diesen Schritt erfolgreich gemeistert haben. Sie haben ihre Jobs geschmissen, widmen sich ihrem Hobby und verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Über die sozialen Medien verbreitet sich ein Bild von einem geilen Leben dieser Leute, die alles, was sie anfassen zu Gold machen. Gute Ratschläge, wie man dies mit nur wenigen Schritten selber schafft, gibt es freilich ebenfalls genug im Netz und bald schon fühlt man sich unter Druck gesetzt, seinen aktuellen Job zu kündigen und endlich richtig durchzustarten. Die Jahre gehen ins Land und man ist immer mehr frustriert noch immer nicht ganz oben angekommen zu sein. Und warum passiert nichts? Weil man nicht so ackert, wie die Jungs und Mädels, die es geschafft haben. Mit einem Vollzeit-Job lässt sich das ja auch schwer erledigen. Was liegt also näher, als seinen Job zu kündigen oder zu reduzieren um durchzustarten?

Nun ist es so, dass nicht jeder das kann. Hat man eine Familie und ein Haus zu finanzieren, ist es sicherlich nicht die schlechteste Idee, seinen Hauptberuf zu behalten. Denn hier würde man aus meiner Sicht egoistisch handeln. Sofern der Partner damit einverstanden ist, kann man es ja tun. Nur sollte man es sich aber unter dem Aspekt mal überlegen. Die Frage muss sich jeder selber beantworten. Die „eine Antwort“ gibt es aus meiner Sicht darauf nicht.

So, das war der einfache Fall. Was aber, wenn einem der Hauptberuf in die Pläne reingrätscht, indem er einem einfach Spaß macht? Was, wenn man tief im Innersten tatsächlich seinen Hauptberuf mag und mit der Aufgabe von diesem etwas im Leben fehlen würde. Sprüche wie, „Du kannst nicht erfolgreich werden, wenn Du auf mehreren Hochzeiten tanzt“ sind in meinen Augen ohne Kontext Bullshit, weil jeder Erfolg persönlich definiert. Wer denkt, neben 40 Stunden Hauptberuf (zzgl. der Überstunden, die automatisch entstehen, wenn etwas Spaß macht) und Familie tatsachlich noch ein zweites Vollzeit-Business zu bedienen, hat wahrscheinlich noch nicht wirklich darüber nachgedacht. In dem Fall wäre das wirklich Bullshit. Wenn man in dieser Situation ist, sollte man sich nur die Frage stellen, ob man ohne den anderen Job zufrieden wäre. Wenn nein, spricht nichts dagegen alles zu lassen, wie es ist. Man sollte sich aber von der unrealistischen Annahme lösen, beide Dinge als Vollzeit-Jobs erfüllen zu können.

Sich selbstständig zu machen bedeutet nicht zwangsläufig davon leben zu müssen. Ein Gewerbe, dass man nebenher zum Hauptberuf betreibt ermöglicht es, den ein oder anderen Groschen zu verdienen, um sein Hobby zu finanzieren. Wenn das damit klappt ist doch gut. Man kann die Fotografie mit weit weniger Druck verfolgen, als es der Fall wäre, wenn man davon leben müsste. Und ganz ehrlich, in fünf Jahren können die Dinge ganz anders ausschauen. Dann nervt entweder der Hauptberuf oder die Fotografie. Oder es war die richtige Entscheidung alles so zu lassen, wie es war.

Das Beitragsbild entstand übrigens an irgendeinem Fluss irgendwo in Schweden auf meiner letzten größeren Motorradtour mitten in der Hochzeitssaison :)